An meinem ersten Tag in Korea stand ich geschlagene drei Sekunden wie eingefroren vor einem Busfahrer.
In der Hand: ein 10.000-Won-Schein. Der Fahrpreis: etwa 1.500 Won.
Da stand ich nun mit meinem Schein
Ich wollte das Geld einwerfen, und der Fahrer winkte ab.
Auf 10.000 konnte er nicht rausgeben. Scheine in den Kasten stecken ist zwar grundsätzlich erlaubt — nur hat der Fahrer keine Möglichkeit, Wechselgeld zurückzugeben. Alle fahren mit Karte.
Wenn ich's mir recht überlege: Bei uns zu Hause nehmen die Busse seit ein paar Jahren auch gar kein Bargeld mehr. Da fahre ich selbst nur mit Karte. Und hier ziehe ich einen Schein raus.
Jedenfalls hatte ich keine Karte, und hinter mir bildete sich eine Schlange. Ich wusste überhaupt nicht, was ich tun sollte, also stand ich einfach da mit meinen 10.000 Won.
Dann kam eine Frau mittleren Alters aus der Schlange nach vorn, hielt ihre eigene Karte ans Lesegerät und zahlte meinen Fahrpreis mit.
Ich hielt ihr meinen Schein hin. Sie winkte ab und meinte, ich solle mich einfach hinsetzen.
In dem Moment kannte ich genau einen Satz.
Auf dem Weg zum Sitz habe ich es noch ein paarmal gesagt. Mehr konnte ich nicht, und sie hat nur gelächelt und abgewinkt, als wäre es nichts.
Das ist bis heute meine klarste Erinnerung. Und an dem Tag habe ich gelernt: Wer in Korea Bus fahren will, braucht zuerst die Karte.
Womit fahren dann alle?
Mit einer Verkehrskarte. Sie heißt T-money.
Gibt's in jedem Convenience Store. CU, GS25, 7-Eleven, emart24 — alle haben sie. Die Karten hängen direkt neben der Kasse, du kannst sie nicht übersehen.
Aber kaum hatte ich eine Karte in der Hand, fragte mich die Verkäuferin das hier.
Da hat es klick gemacht. Die Karte kaufen und Geld draufladen sind zwei getrennte Dinge. Die Karte ist ein leerer Behälter. Das Geld kommt separat rein.
In Korea fragen sie beim Kartenkauf meistens im selben Atemzug nach dem Aufladen, du kannst also beides auf einmal erledigen. Du sagst nur, wie viel.
Ich hatte anfangs keine Ahnung, wie viel sinnvoll ist, also habe ich 10.000 Won geladen. Die waren nach ein paar Tagen weg. Lade ungefähr 20.000 drauf, dann hast du eine Weile Ruhe.
Was ich alles falsch eingeschätzt habe
| Was ich dachte | Was wirklich stimmt |
|---|---|
| Schein reinstecken, Wechselgeld zurückbekommen | Es gibt kein Wechselgeld. Einfacher, direkt zuerst die Karte zu kaufen |
| Karte kaufen und sofort losfahren | Aufladen ist ein eigener Schritt (wird meist beim Kauf gleich miterledigt) |
| Den Kartenpreis kriege ich später zurück | Nein. Du kaufst die Karte selbst |
| Aufladen geht mit Kreditkarte | Viele Automaten nehmen nur Bargeld |
Der letzte Punkt erwischt dich kalt. Ich wollte an einem Automaten in der U-Bahn-Station mit Kreditkarte aufladen und hing schon wieder fest. Manche Convenience Stores nehmen dafür Karten, aber das ist von Laden zu Laden verschieden. Ehrlich gesagt: Ein paar Scheine dabeizuhaben ist die entspannteste Variante.
Sie ist nicht nur für den Bus
Ich hatte das Ding als Buskarte abgespeichert, aber ein paar Tage später bin ich U-Bahn gefahren und hab's kapiert. Dieselbe Karte funktioniert in der U-Bahn, so wie sie ist. Im Taxi auch. Du kannst damit sogar im Convenience Store bezahlen.
Eine in Seoul gekaufte Karte funktioniert auch in der U-Bahn von Busan. Du musst nicht in jeder Stadt eine neue kaufen.
Meine Empfehlung also: Kauf dir eine, sobald du landest. Auf der Ankunftsebene am Flughafen Incheon gibt es Convenience Stores. Diese eine Karte deckt deine komplette Fortbewegung für den Tag ab.
Das eigentliche Problem war ein anderes
Schwieriger als der Kartenkauf war, an der Kasse die Worte rauszubringen.
Ich hatte "교통카드 주세요" im Kopf — den ganzen Satz, abrufbereit. Dann habe ich die Verkäuferin angeschaut, und nichts kam raus. Am Ende habe ich mit dem Finger gezeigt.
Wörter, die du mit den Augen auswendig gelernt hast, und Wörter, die du wirklich mal laut gesagt hast, sind zwei völlig verschiedene Dinge. Seitdem übe ich vorher ein paarmal laut, bevor ich reingehe.
Woran bist du an deinem ersten Tag in Korea am meisten gescheitert? Bei mir war's das hier.



